Verrückter Montag

Quelle: https://www.shirtpresswerk.de

 

Es ist wieder einer dieser Morgen, nix funktioniert, alles was schief gehen kann, geht auch schief: Murphys Gesetz. Mit Kindern werden solche Morgen um ein vielfaches grauenvoller, ja, ja, die Kleinen, können ja nix dafür, ja, ja.

Horror hat schon schlechte Laune und motzt spontan über alles. Kleinkinder sind ja wie Rucksäcke am Bahnhof, die können jederzeit hoch gehen. Am Morgen treten schon vielschichtige Probleme bei dem Kleinen auf. Der grüne statt der blaue Pulli mit dem bescheuert grinsenden Frosch drauf, der bei mir spontan schlechte Laune auslöst. Beim Frühstück die falsche Wurst, Kakao auf Trinktemperatur statt 34,16475436 ° Celsius (der sich später auf dem ganzen Fußboden breit machen wird und dann doch zum Froschpulli führt), und BOOM, eine Explosion, die man in der nächsten Postleitzahl noch hört. Locker bleiben ist angesagt, denn eine schreiende Mutter und ein 2 Jähriger die sich am Boden wälzen bringt Keinem was. Der Einzige der müde seine Cornflakes reinschaufelt ist Terror, heute mal von allem gelangweilt. Besser ist es, denn eine Hormonbombe kann ich nun wirklich nicht auch noch gebrauchen.

Nach dem sich alle in die frischen Zwiebelschicht-Klamotten gezwängt haben, geht es los. Der Große geht schon eine halbe Stunde vor uns alleine zur Schule (er hat natürlich was von seinem Zeug vergessen) und mit dem Zwerg ist es ein 10 Minuten Marsch, zumindest für Erwachsene. Für Kleinkinder ist es ein 30 Minuten bis 5 Stunden Gang. Verstehen Sie mich nicht falsch, die kleinen Rotznasen brauchen natürlich Zeit und die plane ich definitiv ein, aber heute an Alles-scheiße-Morgen läuft mein Kind in Zeitlupe. Ich laufe drei Schritte, drehe mich um und der Zwerg läuft zurück. Also wieder das 500 m entfernte Kind holen, die richtige Richtung zeigen und weiter geht´s. Diese Situation geht dann 30 bis 3600 Minuten in Endlosschleife, bis wir endlich Land erreichen. Völlig erschöpft, ähnlich wie Christoph Kolumbus als er Amerika entdeckte, haben wir den Kindergarten erreicht. Fast geschafft, nur noch Klamotten vom Leib reißen und Horror liebevoll in seine Gruppe schupsen.

Freiheit, oh süße Freiheit, denke ich als die Tür zu geht. Ich darf endlich in die Arbeit. Meine Laune ist mäßig und rutscht ein wenig mehr ab, als mir im Gruppenflur eine Mutter mit angeschraubtem Grinsen entgegen kommt. Mir kommt sofort der blöde Froschpullover in den Sinn, aber ich versuche trotzdem zurück zu lächeln, was dann eher so ein Zähne fletschen ist. Ich bin keine Miesepeterin, aber solche Dauergrinser sind mir unheimlich und suspekt.

Nachdem ich kurz auf die Uhr gesehen habe, sieht man im Kindergarten nur noch einen Kondensstreifen mit Feuerspur am Boden. Ich spurte zur Bushaltestelle und bin doch noch rechtzeitig da und sacke auf der Bank zusammen. Alles gut, denke ich, nur noch in die Arbeit fahren, alles gut. Neben mir kehrt gerade ein Straßenreiniger den Boden und als ob er ein Familienmitglied wäre geht ihm prompt der Besen kaputt. „Typisch Montag, hm?“ sage ich zu ihm und er in seinem tollen Dialekt: „Wenn da Besn etzat scho kaputt gähd, dann bessa ois zamm packa und Hoam.“ Wie Recht er hat, wenn es nur so einfach wäre. Das kurze Gespräch erhellt meine Laune sehr und ich steige in den natürlich unpünktlichen Bus.

Die Busfahrt verlief erstaunlich beschwerdefrei und ich hole mir noch schnell meinen Montagskaffee. Die SBahn steht schon da, ja super, schnell rein huschen und es kann los gehen. Wie toll alles klappt ohne quengelnde, krakeelende Kinder mit 150 DB Sprechlautstärke.

Ich drücke also den Türöffner der SBahn, steige ein und erstarre zur Salzsäule. Mein rechtes Auge beginnt zu zucken, der Herzschlag setzt aus und der Mund öffnet sich tonlos lallend. Vor mir haben sich sämtliche Grundschulkinder ganz Bayerns versammelt.

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